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Olympiastarter gefragt – Samuel Schwarz und Nico Ihle

// Februar 2nd, 2010 // 1 Comment » // Allgemein

Nach meinem persönlichen Scheitern an der Qualifikation der Olympischen Winterspiele in Vancouver habe ich nun die Chance als Außenstehender mit Insiderwissen von den Spielen zu berichten. Vor dem Start der Wettkämpfe befragte ich ein paar deutsche Teilnehmer um die reichlichen Leser des Eis-Blogs einzustimmen.

Jetzt gleich zwei meiner Teamkameraden im Doppelpack: Samuel Schwarz und Nico Ihle, beides Sprinter und beide mit Leistungszuwächsen in diesem Jahr, habe ich zu ihren Olympia-Qualifikationen befragt und was sie alles von den Spielen in Vancouver erwarten.

Viel Spaß,
Hugo

Hallo ihr beiden, schon im Olympiafieber?

Samu: Ja, das Olympiafieber hat schon angefangen, seit der Einkleidung denke ich jeden Tag daran und freue mich sehr. Ich habe ein sehr positives Gefühl von Vorfreude und Spannung, einfach das Ganze alles, das olympische Flair interessiert mich einfach.

Nico: Ich bin auch schon im Fieber. Ich warte aber noch auf das Kribbeln, auf das Besondere, was sicher erst vor Ort kommen wird. Ich denke auch jeden Tag an die Spiele im großen Ganzen, das macht einige harte Trainingsphasen vergessen.

Ihr habt beide erst in Übersee (Calgary und Salt Lake City) eure Qualifikation geschafft. Wie war es von den ersten Wettkämpfen des Jahres bis dorthin? Waren es normale Vergleiche oder war die Qualifikation immer im Kopf?

Nico: Die Norm war immer im Kopf, die Zeiten waren eigentlich egal, ich wollte immer nur die geforderte Platzierung schaffen. Ich habe mir dabei aber nicht einen so großen Druck aufgebaut. Ich habe versucht, immer daran zu denken, dass noch andere Wettkämpfe kommen und ich es schaffen kann. Vor der Saison dachte ich, meine Möglichkeiten liegen auf den 500m. Ich habe mich also das ganze Jahr auf die 500m vorbereitet und den Fokus darauf gelegt. Auf 1000m konnte ich mich von einem zum anderen Lauf immer wieder verbessern. Die halbe Normerfüllung in Berlin hat gezeigt, dass es auch über den Kilometer möglich ist.

Samu: Mich hat der Druck ganz schön beschäftigt, ich bin mit Sicherheit nicht an meine Leistung des Vorjahres herangekommen. Es hat mich gebremst und verkrampft, ich konnte meine Leistung nicht abrufen.

Wie war es dann, als die ersten WC nicht so liefen?

Samuel Schwarz
Samu: Nach der schlechten Meisterschaft konnte ich beim ersten World Cup in Berlin aufsteigen, in Heerenveen hatte ich eine Teilnorm geschafft. Es lief etwas besser aber die Norm war immer im Kopf. Eigentlich war der Fahrplan, es schon vor Übersee zu schaffen. Nun musste ich in Calgary in der A-Gruppe einen Alles-oder-Nichts-Lauf machen. Gut laufen… unter die Top 16 kommen und ich bin dabei. Schlecht laufen… was einen Abstieg in die B-Guppe bedeutet hätte und das Jahr wäre gelaufen gewesen. Am Start ging mir alles durch den Kopf, ich bin total verkrampft, angespannt gelaufen und war überhaupt nicht schnell. Es hat gerade so gereicht, ich hatte es geschafft, der 16. Platz! Schon in der Auslaufrunde sind mir die Tränen gekommen. Die ganze Anspannung ist abgefallen, der Druck, die Unsicherheit, der Traum – Das war jetzt alles geschafft und ich war wie befreit. Am Abend konnte ich ziemlich lange nicht einschlafen, weil ich immer noch darüber nachgedacht habe.

Nico, du hast dein Ticket in SLC gelöst und deine letzte Chance genutzt, auch durch Samuel. Wie erging es dir vor dem Lauf?

Nico: Am Vorabend war ich noch für die B-Gruppe ausgelost worden und damit war mir schon klar, dass ich mich bei der Sprint-WM noch mal richtig zeigen muss. Auch am nächsten Tag, 8:30 Uhr im Bus, war mir noch nicht klar, dass ich in der A-Gruppe starten kann. Ich habe mir gesagt, dass ich auch in der B-Gruppe schnell laufen werde. Erst im Bus hat mich Bart angerufen und mir gesagt, dass ich durch den Verzicht von Samuel starten konnte. Ich habe mich dann übelst gefreut, ich hatte noch mal eine reale Chance, das war schon ein schönes Gefühl. Ich habe mir aber nicht den Druck aufgebaut, dass ich es schaffen muss, ich wollte aus der Situation das Beste machen. Es hat mich eher motiviert, als dass es Druck aufgebaut hätte. Es hat mich regelrecht beflügelt und dann kam noch mal eine neue Auslosung. Es hat alles gepasst, ich sollte erst außen laufen – das 4. Mal in diesem Jahr -, dann die neue Auslosung. Ich innen gegen den Weltrekordhalter auf 500m, Jeremy Wotherspoon, das war absolut. Ich habe mir gesagt, wenn ich schon wie immer kaputt gehe, dann wenigsten die letzte Kurve innen. Hier auf der schnellen Bahn komme ich schon irgendwie ins Ziel.

Wie lief das für dich ab Samu?

Samu: Für mich war es ein ähnlicher Wechsel wie für Nico. Ich hatte vorher mit dem Trainer darüber gesprochen, dass, wenn mein Weglassen die letzte Chance für Nico ist, ich es dann machen werde. Wir haben schon Tage vorher darüber geredet, dass die Holländer nicht da oder krank sind, und wenn es eng wird, war die Option, dass ich den Lauf zugunsten von Nico aussetze. Am Abend war dann die Auslosung, es war klar, dass Nico nicht in der A-Gruppe startet und auch mein Rückzug nichts bringen würde, also konnte ich starten. Nächster Morgen: Für mich normale Vorbereitung auf den Wettkampf und dann sehe ich Jan Coopmans mit dem Handy am Ohr zu mir kommen. In dem Augenblick ist mir der Gedanke gekommen, dass sich hoffentlich nichts an der Situation ändert und es nicht um Nico und mich geht.

Und dann war klar, dass dein Aussetzen reicht, um Nico in der A-Gruppe starten zu lassen?

Samu: Ja, ich habe Bart gesagt: “Ich lasse weg, viel Erfolg für Nico!“, und mit dem Auflegen war mir klar, die Überseereise ist fertig, ich könnte abreisen. Ich war enttäuscht, dass ich nicht startete. Ich wollte noch mal auf super schnellem Eis eine gute Leistung zeigen. Die 1500m liefen sehr gut und ich wollte auf meiner Hauptstrecke befreit auflaufen.

Wie war es dann, den Wettkampf von Nico von außen zu erleben?

Samu: Ich wollte dann reinfahren, ich wollte sehen, was abgeht. Ich habe die Ergebnisse der B-Guppe gesehen, wie gut die Bedingungen sind, was mich geärgert hat, denn ich wollte ja auch laufen. Zu Nico habe ich versucht, Abstand zu halten, um ihn nicht zu beeinflussen. Ich wollte nicht noch mal Druck machen, nach dem Motto “Nutz die Chance!”.
Nico am Start vs. Jeremy, das ist schon ein heißes Ding, es ist immer eine Ehre, gegen ihn zu laufen, er ist schon ein großer der Sprint-Szene. Ich drückte Nico die Daumen und hoffte, dass die ganze Aktionen einen Sinn macht! Dann habe ich Nico für Olympia das Beste gewünscht und die Daumen gedrückt, aber nicht für den deutschen Rekord, den wollte ich behalten. :-) Dann hat er ja ein wirklich super Rennen gemacht, ich denke, das beste Rennen seinen Lebens. Als dann zwei weitere Paare durch waren und klar war, dass es mindestens der 16. Platz wird, war ich froh, dass es gereicht hat. Wir haben uns Zeichen gegeben und es war zwischen uns klar, dass es geklappt hat.

Mir war wichtig, dass er versteht, was passiert ist und dass er weiß, wie wichtig mir auch mein Lauf war. Er hat sich beim Ausfahren dann auf ehrliche Art und Weise bedankt und auch so, dass ich merkte, dass ich das Gefühl hatte, dass er versteht, was in mir vorging.

Was war es für ein Gefühl für dich, Nico, diesen Lauf ermöglicht bekommen zu haben?

Nico: Ich hatte schon ein kleines bisschen ein schlechtes Gewissen und mir war schon klar, was es auch für ihn bedeutete, auf diesen Lauf zu verzichten. Auf dem Eis zur Wettkampfvorbelastung ist Samu dann noch mal zu mir gekommen und hat gefragt, ob ich noch was brauche und hat mir viel Glück gewünscht. Ab da war mir klar, dass es in Ordnung geht und ich die Chance ohne schlechtes Gewissen nutzen kann. Druck habe ich trotzdem nicht aufgebaut, es war mehr Freunde, die Chance zu bekommen. Ich hab sie genutzt! :-)

Ab dann war klar, dass es nach Vancouver geht?

Beide:  Ja, wir waren uns sicher, wir sind Olympiateilnehmer.

Merkt ihr schon einen Unterschied im Vergleich zu anderen Wettkämpfen?

Nico: Ich bin voller Vorfreude auf das, was ich noch nie erlebt habe. Olympische Spiele gibt es nur alle 4 Jahre, und ich darf dabei sein. Krass!

Samu: Ich glaube, für mich ist es die Freude auf den Mythos Olympische Spiele!

Was erwartet ihr, außer bezüglich eurer eigenen Leistungen, von Vancouver?

Samu: Ich erwarte Olympisches Flair, andere Sportler, gemeinsam mit Sportlern essen, überall die Olympischen Ringe, das Gefühl bei etwas Besonderen dabei zu sein. Und dass nicht alle hier sind sondern nur die Besten.
Nico Ihle
Nico: Einen Wettkampf der Besten der Besten.

Wann hast Du das erste Mal daran gedacht, dabei zu sein.

Nico: Vor 4 Jahren hat unser Trainer Bart gesagt, dass wir Medaillen gewinnen können. Da war für mich das Ziel Olympia klar, daran haben wir gearbeitet. Wirklich richtig bewusst, dass ich es auch schaffen kann, war es mir erst in diesem Jahr. Ich war von der Leistung her soweit, dass es möglich war.

Und du Samu?

Samu: Im Ernst?

Klar!

Samu: Mit 14, zur Konfirmation, musste bei einem Kennenlernspiel jeder seinen Namen und einen Satz, der ihn charakterisiert, sagen. “Ich bin Samuel Schwarz und fahre mal zu den Olympischen Spielen”. Alles hat gelacht, jetzt ist es Realität.

Ob sie jetzt noch lachen? Wann war es dir bewusst, dass Du es auch schaffen kannst?

Samu: Schon vor vier Jahren, als Bart nach Deutschland gekommen ist, hätte ich im ersten Jahr die Qualifikation geschafft und es war mir klar, dass ich es drei Jahre später auch schaffen werde und es drauf habe.

Was hat die Leistungsentwicklung dieses Jahr ausgemacht?

Samu: Das deutlich verbesserte Krafttraining mit Eberhard Deutscher im OSP-Berlin und das noch konzentriertere Zusammenarbeiten auf dem Eis.

Würdet ihr Euch öfter mehr Medienpräsenz wünschen?

Samuel Schwarz und Nico Ihle
Wir sind nicht gerade mediengeil, aber wir hätten gerne, dass unsere Leistungen mehr gewürdigt werden und sie nicht immer schlechter geredet werden, als sie sind.

Eröffnungsfeier?

Samu: Auf jeden Fall!

Nico: Ich geh! :-) Es ist noch mal ein extra Kick! Das motiviert, das ist alles, das Erste mal dabei…

Jungs, ich danke euch und haltet die Sprinterfahnen in Vancouver hoch!

Olympiastarter gefragt – Robert Lehmann

// Januar 27th, 2010 // 3 Comments » // Allgemein

Nach meinem persönlichem Scheitern an der Qualifikation der Olympischen Winterspiele in Vancouver habe ich nun die Chance als Außenstehender mit Insiderwissen von den Spielen zu berichten. Vor dem Start der Wettkämpfe befragte ich ein paar Deutsche Teilnehmer um die reichlichen Leser des Eis-Blog´s einzustimmen.

Los geht es mit dem Erfurt Teamkamarad Robert Lehmann.

Robert, gratu zur Qualli! Wie schon berichtet waren die letzten Wochen nicht gerade leicht für dich. Kannst du mal einen kurzen Abriss deiner Gefühle geben?

Nach der knapp verpassten Qualifikation mit dem Team und der halben Quali im Einzel musste ich seit Mitte Dezember auf die “Gnade” des DOSB hoffen. Ich war, nachdem ich den Ärger verdaut hatte, aber sehr sehr zuversichtlich und habe mich im Training voll reingehängt. Der Abstand von Berlin und die zeitweise Rückkehr in die Erfurter Heimat haben mir gut getan und mich motiviert alles zu geben und daran zu glauben. Seit der EM geht es nur noch bergauf, die Chemie zwischen Bart Schouten und mir stimmt wieder 100% und das Training läuft. Lediglich in den Stunden vor der Entscheidung kamen bei mir Zweifel auf und ich wurde sehr nervös! Als die Entscheidende Nachricht kam, viel mir und meiner Familie ein großer Stein vom Herzen!

Nach Turin ist es die zweite Olympiade für dich. Jetzt bist du kein Neuling mehr. Gibt es unterschiede von zu vor 4 Jahren?

Es ist einerseits komisch und auch traurig das ich der einzige der leider nur fünf Deutschen Männer bin der in Vancouver seine zweiten Spiele erlebt. Ich bin ja nun ein “alter Hase” :-) Aber im ernst, ich hätte mir gewünscht mit dem Teampursuit Team anzureisen und den Traum einer Medaille zu verwirklichen! Leider hat dies nun nicht geklappt und wir sind aus dem starken Team in Berlin mit Nico, Samuel und mir nur zu dritt! Bob de Jong nicht zu vergessen! Der Unterschied für mich besteht dieses mal, natürlich darin das ich nur Einzelstrecken laufe und die Vorbereitung somit eine andere ist.

Leider nun nur dir beiden Einzelstarts. Wie sieht dein Zeitplan bis zum 5km Start am 13.02 aus? Was wird noch trainiert, bist du fit, Material passt, schon die neuen Laufanzüge getestet?

Ich bin seit 2 Wochen in Erfurt und bereite meine beiden Einzelstarts über 5km und 1500m intensiv und konzentriert vor. Ich konzentriere mich derzeit hauptsächlich auf die Technik und die Taktik für die Rennen. Ich bin super fit und körperlich bestens in Schuss! Worum es nun also geht in den letzten Tagen vor den Spielen sind Kleinigkeiten. Die Haupttrainingsphase ist mehr oder weniger vorüber und ich gehe am Samstag den 30.1. mein vorletztes Testrennen in Erfurt an. Mein Material ist dank unserer Materialmänner Michael Künzel und Sjoerd Gerats in allerbester Verfassung. Den neuen, extra für Olympia entworfenen und weiter entwickelten Rennanzug habe ich getestet und für super schnell befunden :-)

Wie bist du zum Eislaufen gekommen und wann haben Olympische Spiele für dich zum ersten mal Kopf rumgegeistert, was für eine Verbindung hast du zu den Spielen?

Ich habe im Alter von 4 Jahren mit Eiskunstlauf begonnen und habe mit 8 Jahren, aufgrund von Talentlosigkeit zum Eisschnelllauf gewechselt :-)
Wann die Olympischen Spiele für mich das erste mal eine Rolle gespielt haben weiß ich gar nicht genau. Ich glaube ich hatte nie diesem großen Olympiatraum von dem so viele berichten. Es war vielmehr eine Entwicklung und viel harte Arbeit. Heute weiß ich das die Spiele das absolut größte sind was ein Sportler erleben kann und ich bin stolz darauf dabei zum zweiten mal dabei zu sein.

Wer unterstützt dich in Vancouver, kommt Familie mit, Freunde, Fanclub?

Meine Eltern, meine Schwester, ihr Freund und meine kleine Nichte sind in Vancouver die komplette Zeit dabei. Sie haben ihren “Olympia- Trip” schon lange vor meiner Nominierung geplant und waren froh das ich nun auch “mitkomme” :-) . Meine Familie hat für meine Einzelstarts und die Teamlauf Tage Karten und werde mich zusammen mit den Eltern von Tobias Schneider unterstützen. Ganz besonders stolz bin ich auch darauf das meine treuesten Fans, eine lang befreundete Familie aus Erfurt für eine Woche die Reise nach Vancouver antritt um mich auf den 1500m anzufeuern. Ich hoffe natürlich noch weitere Bekannte Gesichter vor Ort und freue mich über jeden der mich unterstützt!

Worauf freust du dich in Vancouver, was erwartest du?

Ich freue mich eigentlich auf den ganzen Trip über den Großen Teich nach Kanada! Ich bin sehr gespannt auf das Olympische Dorf und die Organisation der Spiele! Ich bin davon überzeugt das es großartige Spiele werden und jene in Turin um längen übertreffen wird. Leider ist unser Männerteam nicht besonders groß und viele wichtige Trainingspartner und Freunde fehlen. Der Stimmung wird das hoffentlich kein Abbruch tun und wir gehen zuversichtlich und gut gelaunt an die Herausforderung Olympische Spiele! Ich hoffe sehr das wir eine wahnsinnig gute Perfomance abliefern können und die Sprinter Nico und Samuel ihren Aufwärtstrend weiter bestätigen können. Ich bin bester Dinge und eines steht für uns fest: “Wir haben nichts zu verlieren und wollen gewinnen”! Vielleicht ist das Treppchen noch zu weit weg aber die Sympathien von Fans und Sponsoren sind ist ganz sicher in Reichweite :-)

Robert, ich danke dir für deine Antworten und ich bin gespannt dich in Vancouver laufen zu sehen. Ich freu mich das es noch geklappt und nun ist alles möglich!

Neue Eisschnelllaufseite – alle Ergebnisse, unabhängig, neutral und zeitnah!

// Januar 5th, 2010 // No Comments » // Allgemein

Nach einem Split der Redaktion und Statistiker der Verbandseite der DESG haben sich diese nun selbständig gemacht und ein eigene Seite an den Start gebracht. Hier werden alle Ergebnisse, ein umfangreiches Wettkampfarchiv, aktuelle Nachrichte, Hintergründe und Bilder von Athleten zu finden sein.  Dies alles Zeitnah und unabhängig. Ich denke in Kürzester Zeit wird sich speedskatingnews.info durch ihre Qualität durchsetzten und zur Anlaufstelle aller Eisschnelllauffreunde werden.
speedskatingnews.info

speedskatingnews.info
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Ergbenisse

Wettkampfbericht Salt Lake City – Fazit

// Dezember 30th, 2009 // No Comments » // Allgemein, Wettkampf

Mit Abstand

Nun sind einige Tage vergangen und die Ereignisse aus Salt Lake verarbeitet. Verdaut noch nicht, dies wird wohl erst nach der Saison der Fall sein. Ohne jetzt näher auf die Strecken einzugehen, steht das verpassen der Qualifikation des Deutschen Männerteams im Team Pursuit unweigerlich im Raum. Das Scheitern hat viele getroffen und die Ohnmacht ist zu spüren. Man kann es nicht schön reden, die Arbeit von 4 Jahren ist an einem Tag in Utah nicht belohnt worden und wir stehen nun ohne Ergebnis da.

Lauf des Lebens vs. Höllentrip ins Verderben

Die Gefühle hätten nicht unterschiedlicher sein können. Erst der Wahnsinns run von Nico Ihle über 1000m, der im direkten Duell gegen Jeremy Wotherspoon deutschen Rekord lief und mit einem 7.!!!! Platz in der A-Gruppe das Olympiaticket löste! Dies alles haben wir bewusst aufgenommen, als Zeichen, dass alles möglich ist. Let´s go boys!

Wie Robert auf der men.icespeedskating.de Seite schon berichtete, haben wir es nicht geschafft. Nach 3 Jahren, bei dem im Teamlauf immer gute Leistungen gebracht worden sind, haben wir Drei sehr bescheidene Läufe abgeliefert und uns so schlecht wie noch nie präsentiert. Zu unsicher, zu wenig Selbstvertrauen, zu viel Chaos und Politik und das Fehlen des eigenen Vermögens haben keine bessere Leistung zu gelassen.

Und nun?

Jetzt nach Fehlern und Ursachen zu fahnden, ist nicht der Zeitpunkt und schon gar nicht meine Art. Es sind einige gemacht worden, die vermeidbar waren aber gemacht worden sind. Die Floskel ” hinterher ist man immer schlauer” trifft hier sehr gut zu und mit der Zeit wird sich zeigen, was die Zukunft für das Team bringt.

Das Ausscheiden des Teams hat Folgen für Tobias, Stefan und mich. Unsere Saison war natürlich auf Vancouver ausgerichtet. Nun fehlen uns ein wenig die Ziele.  Alle anderen haben die Normen erfüllt oder waren schon vorher aus dem Rennen. Wir drei “Gescheiterten” haben etwas Abstand genommen. Ich war genau eine Woche nicht sportlich aktiv und versuchte Abstand zum Eislaufen zu gewinnen. Danach habe ich nach einem Gespräch mit Trainer Bart die nächsten Stationen besprochen und das Training wieder aufgenommen. Jeder geht seinen Weg…

cya

Hugo

Moral und Motivation im Leistungssport

// November 20th, 2009 // No Comments » // Allgemein

Es gibt genau zwei Arten von Leistungsportlern – die Erfolgreichen und die weniger Erfolgreichen. Beide lieben ihren Sport. Haben in jungen Jahren, aus Freude daran ihn spielerisch ausgeführt, und sind dann, wohl weil sie in einem kleinen Kreis talentierter waren als andere, in einem professionellen Umfeld aufgegangen. Beide standen einmal an der Schwelle und mussten entscheiden – lass ich ihn zum Teil meines Lebens werden und messe ich mich auf den höchsten Ebenen mit anderen oder lasse ich es sein und es wird nicht mehr als ein Hobby sein.
Die Auslese ist hart und gnadenlos
In Deutschland, und das wird nun immer mehr von anderen Ländern kopiert, gibt es ein sehr weit verschachteltes und gut ausgebautes Fördersystem. Über die Vereine, Landessportverbände, Olympiastützpunkte, Dachverbände, Sporthilfe und nicht zuletzt die Einrichtungen, die es ermöglichen eine Ausbildung während der Sportkarriere parallel auszuüben – Bundespolizei, Zoll, Landespolizei und der größte Arbeitgeber, die Bundeswehr. Um in den Genuss von Fördermitteln zu kommen muss man schon früh mit Leistung überzeugen. Kadereinstufung ist hier das Zauberwort und um diese dreht es sich Jahr für Jahr. Es werden dann immer weniger bis nur noch die Besten übrig bleiben. So will es das System.
Leistungsgesellschaft – Wahrnehmungsgesellschaft
Zurück zu den zwei Arten von Leistungssportlern. In einem Wettstreit treffen diese beiden immer wieder aufeinander. Es kann nur einen bzw. sehr wenige Gewinner und viele Verlierer geben. In der Öffentlichkeit, und vor allem in Deutschland, stimmt dies Einschätzung! Es gibt nur einen Gewinner, die anderen waren nicht die Besten und somit auch schon schlechter als es möglich gewesen wäre. Die Frage wird gestellt, was zum Sieg gefehlt hat bzw. direkt: was hat man Falsch gemacht. Die Wahrnehmung bezieht sich auf die Sieger und nicht auf die Verlierer. Wie nennt man diese Moral?
Wie sehe ich das als “Leistungssportler”?
Seit nunmehr fast 10 Jahren im Worldcup, vielen Weltmeisterschaften und einer Olympiade betrifft mich diese öffentliche Wahrnehmung. Laut ihrer war ich immer schlecht, weit hinter dem Sieger und kein guter Sportler. Es ist zum Glück so, dass ich mich nicht von dieser leiten lasse und immer noch die Moral habe, mich mit anderen zu messen. National konnte ich mich immer durchsetzen und meine eigenen kleinen Erfolge feiern.  Was gibt mir das Vermögen weiter zu machen? Nach all den Jahren begreift man, dass man International wohl nie gewinnen wird. Das Talent und/oder die körperlichen Voraussetzungen fehlen einfach und ist auch mit einem mehr an Fleiß und harter Arbeit im Training nicht mehr aufzuholen. Ich mache diese auch nicht um zu gewinnen. Bin ich deshalb nun schon schlecht?
Als Eisschnellläufer trete ich an, um für mich ein “perfektes Rennen” zu machen. Die Wettkämpfe sind die Belohnung für das Training und geben einen Zuversicht noch schneller zu werden. Ich kann auch noch schneller und ich habe meine Leistungsgrenze noch nicht erreicht.
Schnell wird behauptet das man nicht alles gibt um vorne mit zu laufen. Was ist vorne? Wo beginnt die Spitze? Gäbe es ohne mich einen anderen der vielleicht weiter kommen würde? Ist alles vom Erfolg abhängig und wer sagt, wann man erfolgreich ist?

Es gibt genau zwei Arten von Leistungsportlern – die Erfolgreichen und die weniger Erfolgreichen. Beide lieben ihren Sport. Haben in jungen Jahren, aus Freude daran ihn spielerisch ausgeführt, und sind dann, wohl weil sie in einem kleinen Kreis talentierter waren als andere, in einem professionellen Umfeld aufgegangen. Beide standen einmal an der Schwelle und mussten entscheiden – lass ich ihn zum Teil meines Lebens werden und messe ich mich auf den höchsten Ebenen mit anderen oder lasse ich es sein und es wird nicht mehr als ein Hobby sein.

Die Auslese ist hart und gnadenlos

In Deutschland, und das wird nun immer mehr von anderen Ländern kopiert, gibt es ein sehr weit verschachteltes und gut ausgebautes Fördersystem. Über die Vereine, Landessportverbände, Olympiastützpunkte, Dachverbände, Sporthilfe und nicht zuletzt die Einrichtungen, die es ermöglichen eine Ausbildung während der Sportkarriere parallel auszuüben – Bundespolizei, Zoll, Landespolizei und der größte Arbeitgeber, die Bundeswehr. Um in den Genuss von Fördermitteln zu kommen muss man schon früh mit Leistung überzeugen. Kadereinstufung ist hier das Zauberwort und um diese dreht es sich Jahr für Jahr. Es werden dann immer weniger bis nur noch die Besten übrig bleiben. So will es das System.

Leistungsgesellschaft – Wahrnehmungsgesellschaft

Zurück zu den zwei Arten von Leistungssportlern. In einem Wettstreit treffen diese beiden immer wieder aufeinander. Es kann nur einen bzw. sehr wenige Gewinner und viele Verlierer geben. In der Öffentlichkeit, und vor allem in Deutschland, stimmt dies Einschätzung! Es gibt nur einen Gewinner, die anderen waren nicht die Besten und somit auch schon schlechter als es möglich gewesen wäre. Die Frage wird gestellt, was zum Sieg gefehlt hat bzw. direkt: was hat man Falsch gemacht. Die Wahrnehmung bezieht sich auf die Sieger und nicht auf die Verlierer. Wie nennt man diese Moral?

Wie sehe ich das als “Leistungssportler”?

Seit nunmehr fast 10 Jahren im Worldcup, vielen Weltmeisterschaften und einer Olympiade betrifft mich diese öffentliche Wahrnehmung. Laut ihrer war ich immer schlecht, weit hinter dem Sieger und kein guter Sportler. Es ist zum Glück so, dass ich mich nicht von dieser leiten lasse und immer noch die Moral habe, mich mit anderen zu messen. National konnte ich mich immer durchsetzen und meine eigenen kleinen Erfolge feiern.  Was gibt mir das Vermögen weiter zu machen? Nach all den Jahren begreift man, dass man International wohl nie gewinnen wird. Das Talent und/oder die körperlichen Voraussetzungen fehlen einfach und ist auch mit einem mehr an Fleiß und harter Arbeit im Training nicht mehr aufzuholen. Ich mache diese auch nicht um zu gewinnen. Bin ich deshalb nun schon schlecht?

Als Eisschnellläufer trete ich an, um für mich ein “perfektes Rennen” zu machen. Die Wettkämpfe sind die Belohnung für das Training und geben einen Zuversicht noch schneller zu werden. Ich kann auch noch schneller und ich habe meine Leistungsgrenze noch nicht erreicht.

Schnell wird behauptet das man nicht alles gibt um vorne mit zu laufen. Was ist vorne? Wo beginnt die Spitze? Gäbe es ohne mich einen anderen der vielleicht weiter kommen würde? Ist alles vom Erfolg abhängig und wer sagt, wann man erfolgreich ist?

“Der persönliche Erfolg als positives Resultat der Aktivitäten des Menschen hinsichtlich der Erfüllung seiner persönlichen Ziele.” Wikipedia

Jeder Sportler hat ein Grundziel: der Beste zu sein! Zweites Ziel: Besser zu werden! Natürlich kann dies, von der Mentalität abhängig, auch anders herum sein. Der Weg um der Beste zu sein ist lang und es kann auch immer nur einen “Besten” geben und dazwischen liegen viele Stationen von Erfolg und Niederlage – von Zeiten die von der Moral getrieben werden oder von ihr zerfressen. Die persönlichen Ziele sind auf dem Weg an die Spitze von kleinen Schritten geprägt. Öffentlich werden diese nicht wahr genommen. Wenn nun ein Sportler den nächsten kleinen Schritt nicht mehr vollbringen kann steht er wieder einmal an einem Scheideweg…er wird nicht mehr unterstützt, bekommt keine Förderungen mehr und wird aus dem Kadersystem verabschiedet. Nur die Besten überleben und haben weiterhin die Chance oben anzukommen.

Vor 4 Jahren, nach den Olympischen Spielen in Turin, stand ich vor der Entscheidung ob ich weiter machen will oder aufhöre. Durch die Teilnahme an den Spielen hatte ich alle Kriterien erfüllt, um Eisschnelllaufen weiterhin betreiben zu können. Für mich war aber die Motivation und Moral das Problem und nicht die Leistungskriterien. Erst mit der Zusammenarbeit mit Bart Schouten ist diese wieder in einem gemeinsamen Ziel gemündet und die Moral war da, weitere 4 Jahre bis Vancouver hart zu arbeiten. Das Ziel: eine Medaille bei dem wichtigsten Wettkampf, dem es im Sport gibt. Der Teampursiut war für uns Männer die realistischste Chance einmal ganz weit oben zu stehen.

Als weniger erfolgreicher Sportler ist es ungemein schwerer seine Moral und Motivation auf einem hohen Level zu halten. Er muss sich selber Ziele setzen, um ein “persönliches Erfolgserlebnis” zu erreichen. Der Erfolgreiche, der Sieger, bekommt dies automatisch durch seine Erfolge.

Ich bin immer wieder hingerissen von persönlichen Erfolgen und Niederlagen, die an der Moral kratzen oder die Motivation zum Platzen bringen. Ich, für mich, kann sagen das ich immer alles gebe und schon oft genug wieder aufgestanden bin und werde weiterhin alles für meinen persönlichen Erfolg machen denn…die öffentliche Wahrnehmung ist mir eh Wurscht! :)

cya
HUgo