Wettkampfbericht 1. World Cup Berlin – 1500m
// November 9th, 2009 // 5 Comments » // Wettkampf
Peinliches Ergebnis
Oh man, mit so viel Zuversicht bin ich in die Internationale Saison gestartet. Das Ziel war ganz klar gesetzt und die Form ist auch da. Was mach ich draus? Nichts! Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich mich mit solch einer schwachen Leistung dem Berliner Heimpublikum präsentiert habe.
Die Gründe? Nach Fehlern kann man immer suchen und diese als Ursache vorschieben. Fakt ist, dass ich am Ende selber Schuld bin und es mit einer Erfahrung einfach besser machen muss.
Das Rennen gegen Dauergegner Jan Friesinger, wir laufen seit Jahren immer wieder im World Cup gegeneinander und kennen uns viel zu gut, war eines der komischsten meiner ganzen Laufbahn. Zuerst springt mir auf dem Eis eine Feder meiner neuen Marchese Kufen aus dem Gestell. Da sitz ich dann 5 min vor meinem Start auf der Bank und fummle diese wieder gekonnt rein. Mein Handschuh hat dabei etwas gelitten, er hat jetzt ein großes Loch
. Der gewohnte und 1000 mal geprobte Ablauf war dahin. Dann fällt genau bei unserem Start die Anzeigetafel aus. Dies ist nicht weiter schlimm, denn man sollte sich schon auf seinen Lauf konzentrieren. Da ich leider nach 300m meine Anfangszeit nicht mitbekommen habe, bin ich also bis 700m total ahnungslos und ohne Tempobestätigung gelaufen. Da ich Jan als guten Starter und mit einer schnellen Runde eingeschätzt habe, dachte ich, dass ich gut unterwegs bin, ich war immer in Schlagweite und dachte alles läuft nach Plan. Auf der ersten Runde spürte ich, dass ich nach dem Angang schon auf Jan auflaufen konnte und eine schnellere Runde als Jan gelaufen sein musste. Nachdem ich mich orientiert hatte (die zugeteilten Betreuer hatten die gleichen Klamotten an und waren für mich nicht zu unterscheiden, da ich mich auf die Tafel konzentrierte), erblickte ich meine Rundenzeit. Nach 800m eine 26,7 und Jan eine 26,4 gezeigt. Hä dachte ich, was ist denn nun meine Zeit? Ich war doch schneller, warum bekomm ich eine andere, haben die Trainer was vertauscht? Komisch. Na ja dacht ja, weiter gehts. Ich liege nicht schlecht und fühlte mich auch sehr sehr gut. Erst ausgangs der Kurve konnte ich die Zeit endlich wieder aus meinem Kopf verdängen und an den Lauf denken. Technisch sauber bleiben, Kurve gut anschneiden, alles war wieder da. Ich habe es auch gut umgesetzt…dacht ich mir. Dann komme ich wieder an den Trainern vorbei…und mache wieder ein “Suche dir deine Zeit raus” Spiel. Beide stehen nur 2 Meter auseinander und das auf den ersten Metern der Gerade. Also wieder in einer Sekunde entscheiden, welche Zeit mir gehört. Ich fühlte mich super und hatte noch richtig Druck, um in die letzte Kurve zu gehen. Leider war dies aber ein Lauf, der rein gar nicht mit meinem Laufgefühl überein stimmte. So was hatte ich noch nie! Nach einer kleinen Ewigkeit hat dann der Stadionsprecher die Endzeit durchgegeben. Ich dachte, ich muss kotzen! Mit einer 1.49.83 blieb ich bei weiten unter meinen mir selbstgestellten Ansprüchen!
Mein Lauf gegen Jan. Danke an Wouter Mesker ,der mir dies über twitter geschickt hat.
Selbst heute, einen Tag nach dem Wettkampf, kann ich meine Leistung noch nicht ganz einschätzen. Habe ich mehr drauf? Habe ich mich so ablenken lassen? Kann ich schneller laufen? Was waren die Ursachen?
Die Kritiker, die es reichlich gibt und nicht nur aus der Presse kommen, fühlen sich mal wieder bestätigt. Die deutschen Männer laufen hinterher! Ja aber warum? Ich weiß es auch nicht. Kommen wir mit dem Druck nicht zurecht? Im Training bringen wir alle sehr gute Leistungen und können mit der Spitze mithalten. Im Wettkampf können wir dies viel zu selten abrufen und uns in einem guten Niveau zeigen. Das ist schon zermürbend.
Die nächste Chance, es besser machen zu können, wird sich schon am Freitag ergeben. In Heerenveen, der zweiten Station im World Cup, laufen ich eine weitere 1500m. Dieses Mal in einer Hammer Starken B-Gruppe die mit WM-Medailiengewinner Trevor Marsicano, Erben Wennemars, Christoffer Rucke und Steven Elm ein paar super starke Gegner bereit hält.
Bis dahin und hoffentlich ein wenig besser gelaunt,
cya
Hugo

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