Moral und Motivation im Leistungssport
// November 20th, 2009 // No Comments » // Allgemein
Es gibt genau zwei Arten von Leistungsportlern – die Erfolgreichen und die weniger Erfolgreichen. Beide lieben ihren Sport. Haben in jungen Jahren, aus Freude daran ihn spielerisch ausgeführt, und sind dann, wohl weil sie in einem kleinen Kreis talentierter waren als andere, in einem professionellen Umfeld aufgegangen. Beide standen einmal an der Schwelle und mussten entscheiden – lass ich ihn zum Teil meines Lebens werden und messe ich mich auf den höchsten Ebenen mit anderen oder lasse ich es sein und es wird nicht mehr als ein Hobby sein.
Die Auslese ist hart und gnadenlos
In Deutschland, und das wird nun immer mehr von anderen Ländern kopiert, gibt es ein sehr weit verschachteltes und gut ausgebautes Fördersystem. Über die Vereine, Landessportverbände, Olympiastützpunkte, Dachverbände, Sporthilfe und nicht zuletzt die Einrichtungen, die es ermöglichen eine Ausbildung während der Sportkarriere parallel auszuüben – Bundespolizei, Zoll, Landespolizei und der größte Arbeitgeber, die Bundeswehr. Um in den Genuss von Fördermitteln zu kommen muss man schon früh mit Leistung überzeugen. Kadereinstufung ist hier das Zauberwort und um diese dreht es sich Jahr für Jahr. Es werden dann immer weniger bis nur noch die Besten übrig bleiben. So will es das System.
Leistungsgesellschaft – Wahrnehmungsgesellschaft
Zurück zu den zwei Arten von Leistungssportlern. In einem Wettstreit treffen diese beiden immer wieder aufeinander. Es kann nur einen bzw. sehr wenige Gewinner und viele Verlierer geben. In der Öffentlichkeit, und vor allem in Deutschland, stimmt dies Einschätzung! Es gibt nur einen Gewinner, die anderen waren nicht die Besten und somit auch schon schlechter als es möglich gewesen wäre. Die Frage wird gestellt, was zum Sieg gefehlt hat bzw. direkt: was hat man Falsch gemacht. Die Wahrnehmung bezieht sich auf die Sieger und nicht auf die Verlierer. Wie nennt man diese Moral?
Wie sehe ich das als “Leistungssportler”?
Seit nunmehr fast 10 Jahren im Worldcup, vielen Weltmeisterschaften und einer Olympiade betrifft mich diese öffentliche Wahrnehmung. Laut ihrer war ich immer schlecht, weit hinter dem Sieger und kein guter Sportler. Es ist zum Glück so, dass ich mich nicht von dieser leiten lasse und immer noch die Moral habe, mich mit anderen zu messen. National konnte ich mich immer durchsetzen und meine eigenen kleinen Erfolge feiern. Was gibt mir das Vermögen weiter zu machen? Nach all den Jahren begreift man, dass man International wohl nie gewinnen wird. Das Talent und/oder die körperlichen Voraussetzungen fehlen einfach und ist auch mit einem mehr an Fleiß und harter Arbeit im Training nicht mehr aufzuholen. Ich mache diese auch nicht um zu gewinnen. Bin ich deshalb nun schon schlecht?
Als Eisschnellläufer trete ich an, um für mich ein “perfektes Rennen” zu machen. Die Wettkämpfe sind die Belohnung für das Training und geben einen Zuversicht noch schneller zu werden. Ich kann auch noch schneller und ich habe meine Leistungsgrenze noch nicht erreicht.
Schnell wird behauptet das man nicht alles gibt um vorne mit zu laufen. Was ist vorne? Wo beginnt die Spitze? Gäbe es ohne mich einen anderen der vielleicht weiter kommen würde? Ist alles vom Erfolg abhängig und wer sagt, wann man erfolgreich ist?
“Der persönliche Erfolg als positives Resultat der Aktivitäten des Menschen hinsichtlich der Erfüllung seiner persönlichen Ziele.” Wikipedia
Jeder Sportler hat ein Grundziel: der Beste zu sein! Zweites Ziel: Besser zu werden! Natürlich kann dies, von der Mentalität abhängig, auch anders herum sein. Der Weg um der Beste zu sein ist lang und es kann auch immer nur einen “Besten” geben und dazwischen liegen viele Stationen von Erfolg und Niederlage – von Zeiten die von der Moral getrieben werden oder von ihr zerfressen. Die persönlichen Ziele sind auf dem Weg an die Spitze von kleinen Schritten geprägt. Öffentlich werden diese nicht wahr genommen. Wenn nun ein Sportler den nächsten kleinen Schritt nicht mehr vollbringen kann steht er wieder einmal an einem Scheideweg…er wird nicht mehr unterstützt, bekommt keine Förderungen mehr und wird aus dem Kadersystem verabschiedet. Nur die Besten überleben und haben weiterhin die Chance oben anzukommen.
Vor 4 Jahren, nach den Olympischen Spielen in Turin, stand ich vor der Entscheidung ob ich weiter machen will oder aufhöre. Durch die Teilnahme an den Spielen hatte ich alle Kriterien erfüllt, um Eisschnelllaufen weiterhin betreiben zu können. Für mich war aber die Motivation und Moral das Problem und nicht die Leistungskriterien. Erst mit der Zusammenarbeit mit Bart Schouten ist diese wieder in einem gemeinsamen Ziel gemündet und die Moral war da, weitere 4 Jahre bis Vancouver hart zu arbeiten. Das Ziel: eine Medaille bei dem wichtigsten Wettkampf, dem es im Sport gibt. Der Teampursiut war für uns Männer die realistischste Chance einmal ganz weit oben zu stehen.
Als weniger erfolgreicher Sportler ist es ungemein schwerer seine Moral und Motivation auf einem hohen Level zu halten. Er muss sich selber Ziele setzen, um ein “persönliches Erfolgserlebnis” zu erreichen. Der Erfolgreiche, der Sieger, bekommt dies automatisch durch seine Erfolge.
Ich bin immer wieder hingerissen von persönlichen Erfolgen und Niederlagen, die an der Moral kratzen oder die Motivation zum Platzen bringen. Ich, für mich, kann sagen das ich immer alles gebe und schon oft genug wieder aufgestanden bin und werde weiterhin alles für meinen persönlichen Erfolg machen denn…die öffentliche Wahrnehmung ist mir eh Wurscht!
cya
HUgo

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Das hört sich ja sehr gut an und ich hoffe euch beiden gelingt ein besseres Jahr! Wann hast Du das erste mal Olympische Spiele bewusst wahrgenommen? Gibt es für Dich Helden oder Vorbilder?
Dann Daumen drücken das ihr ein Paar davon seid! Merkst du schon, dass es die Olympische Saison ist und wenn ja woran?